Gottesdienstunterstützung

Im Gottesdienst kommen Menschen zum gemeinsamen Gebet, zum Hören auf die Schrift und zur Feier der Sakramente zusammen. Dies ist ein seiner Natur nach „analoger“ Vorgang, der in seiner Grundsubstanz von dem digitalen Wandel zunächst wenig betroffen scheint. Ohne diesen Charakter zu ändern können gleichwohl digitale Elemente das Gottesdienstgeschehen vielfältig unterstützen.

Nicht wenige Pfarrerinnen und Pfarrer haben ihre Predigt auf dem Tablet statt im Ringbuch. Der Einsatz von Beamer und Leinwand in Gottesdiensten ist in fast jeder Kirchgemeinde schon einmal praktiziert worden, obwohl viele Kirchen dafür nicht optimal eingerichtet sind. Auch für Gottesdienstbesucher könnten sich durch die Bereitstellung von digitalen Angeboten, die über das eigene Smartphone abgerufen werden, die Inhalte des Gottesdienstes vertiefen:

  • Ein QR-Code führt neue Gottesdienstbesucher zu Informationen zum ortsüblichen Ablauf der Liturgie.
  • Predigttexte und Lesungen können mitgelesen werden.
  • Analoge Medien wie Gesangbücher können durch digitale Begleitmedien ergänzt und erweitert werden (Gesangbuch als App mit Melodiewiedergabe usw.).

Vielerorts schon Realität ist die digitale Liedanzeigetafel zur Erleichterung der Arbeit des Küsters, ebenso wie digital gesteuerte Ton- und Lichttechnik zur Verbesserung von Akustik und Beleuchtung. Zu erproben bleibt, in wieweit auch neue technisch unterstützte Formen der Interaktion das Gottesdienstgeschehen erweitern und bereichern können, denn Verkündigung muss kein Frontalunterricht sein. Wie wäre es, wenn die Gemeinde direkt, während der Verkündigung darauf reagiert, Fragen stellt, Thesen formuliert, oder sogar untereinander über das Vorgetragene digital ins Gespräch kommt? Der Parallelchat zur Predigt?

Neue Gemeinschaftsformen

In wieweit lässt sich die Verheißung von Jesus „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) auch auf Formen von Gemeinschaften beziehen, die im virtuellen Raum entstehen? Auch dort gibt es z.T. sehr intensive zwischenmenschliche Kommunikation und damit auch Austausch über Glaubensfragen, Lebenszeugnisse, spirituelle Praxis und seelsorgerliche Unterstützung in Krisensituationen. Dadurch, dass sie elektronisch vermittelt wird, ist sie nicht weniger real, denn es sind reale Menschen die miteinander kommunizieren. Mit den in Radio und Fernsehen übertragenen Rundfunkgottesdiensten gibt es seit Jahrzehnten etablierte Formen, gottesdienstliches Geschehen mit den Mitteln der modernen Technik aus dem Kirchenraum zu den Menschen zu bringen, die nicht selbst dahin kommen können. Es wäre nur folgerichtig, dies auch für internetbasierte Kommunikationsformate weiterzudenken, zumal diese in viel stärkerer Form auch aktive Beteiligung und Interaktion ermöglichen. Die neuen technischen Möglichkeiten erlauben zudem eine eingeschränkte (virtuelle) Gottesdienstbeteiligung auch außerhalb des vorgegebenen Zeitrasters. Insgesamt kann mit digitalen Angeboten eine zeit- und ortsunabhängige digitale Partizipation der Gemeinde ermöglicht werden, die insbesondere bei größer werdenden Gemeindeterritorien eine besondere Bedeutung erlangen kann. Diese Form ist vielen Gemeindemitgliedern aus anderen Formen der Gemeindepraxis bereits bekannt. So gibt es verschiedentlich organisierte Gebetskreise und -gruppen, die orts- und zeitunabhängig für bestimmte Anliegen beten.

Was für Gottesdienste gilt, das gilt mittelbar auch für Gemeindekreise und entsprechende Interaktionen. Ein Bibelgespräch im Chat oder im TeamSpeak kann Zielgruppen erschließen, die zu dem Kreis bisher noch keinen Zugang hatten.

Die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat, Gottesdienst und Dienst am Nächsten, Predigt und Musik spürt zuerst und vermehrt das veränderte Nutzerverhalten der anzusprechenden Menschen. Sowohl die zur Verfügung stehende Aufmerksamkeitsspanne als auch die veränderten Rezeptionsgewohnheiten der Hörenden machen eine Reflexion der vorhandenen Formen und deren Anpassung notwendig. In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Anbetungs- und Gottesdienstformen im Netz entwickelt. Beispielsweise ruft das Abendgebet #twomplet bei Twitter jeden Abend eine Vielzahl von Userinnen und Usern zum gemeinsamen Gebet. Dabei müssen selbstverständlich die Inhalte auf die zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen (Bspw. 1 Tweet = 280 Zeichen) angepasst werden.

Geistliche Inhalte

Kirche hat sich in der Vergangenheit stets bemüht, bei der Entstehung neuer Medien mit ihren Inhalten präsent zu sein. So entstanden z.B. Rundfunk- und Fernsehandachten. Hier gilt es, nicht den Anschluss an neue Medien und Inhaltssammlungen zu verpassen. Die Aufforderung „Alexa, spiele einen Predigt zum Barmherzigen Samariter“ sollte keine Fehlermeldung erzeugen. Entsprechende Kooperationen mit den Contentanbietern sind zu suchen, ohne deswegen die Datenschutzprobleme autonom horchender Lautsprecher (vgl. 2.4) zu ignorieren.

Auf Wikipedia gibt es viele Inhalte zu theologischen Themen. In OpenStreetmap sind aber noch längst nicht alle Kirchen und Gottesdienststätten verzeichnet – geschweige denn mit Gottesdienstzeit und Webseite hinterlegt. Grundsätzlich steht die Aufgabe für kirchenleitende Gremien ebenso wie für Gemeindeglieder, in ihrem jeweiligen Bereich dafür zu sorgen, dass christliche Inhalte in den entsprechenden neuen Entwicklungen nicht fehlen. Im Blick auf Mission und den Kontakt außerhalb der kirchlichen Binnenwelt sind diese Möglichkeiten nicht außer Acht zu lassen.

8 Kommentare

Wolfgang · 26. Juli 2019 um 8:51

Die genannten „digitalen Hilfswerkzeuge“ rund um den Gottesdienst können eine gute Unterstützung sein, soweit sie dem Gottesdienstablauf dienen und nicht Selbstzweck sind (von allen Plätzen lesbare Liedanzeige, nach dem Gottesdienst nochmal nachlesbare Predigt, Übertragung des Gottesdienstes via Rundfunk, Fernsehen oder Internet… )
Die direkte Smartphonebenutzung im Gottesdienst sehe ich allerdings kritisch, diese zentrale Veranstaltung der Kirche sollte unbedingt eine „Offline-Insel“ bleiben! Gottesdienste leben von einem festgelegten liturgischen Ablauf und sequentieller Kommunikation – mit Smartphone bleibt nur noch Twitter (Gezwitzscher) übrig!

Frank Pierel · 18. Juli 2019 um 14:07

Für den Konfirmandenunterricht wünsche ich mir schon länger zu allen Theman eine PPT, die man regionalisieren und auch inhaltlich anpassen kann. Aber bislang haben alle Verlage zunächst abgewunken um dann zu sagen: „Interessante Marktlücke, können Sie sowas nicht machen?“ Ja. Aber nicht neben den Aufgaben eines Pfarramts.

Frank Pierel · 18. Juli 2019 um 14:04

Für Prädikanten – aber nicht nur für sie – wünschte ich mir eine Arbeitshilfe, die über https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#815/viewport4 hinausgeht. Während die Seite https://www.velkd.de/gottesdienst/lesepredigt.php nur die Werbung für die gedruckte Ausgabe bereithält, sollte den immer zahlreicher werdenden Prädikanten digital alles auf einer Seite zur Verfügung gestellt werden können, was sie in Sachsen für einen Gottesdienst brauchen – von den Liedvorschlägen über eine Lesepredigt bis hin zu den Gebeten.

Leopold · 4. Juni 2019 um 20:59

zur Gottesdienstunterstützung:
– QR-Code mit ortsüblicher Liturgie wünschenswert, aber ist das Smartphone im Gottesdienst akzeptiert?
– Es wäre sicherlich wünschenswert, wenn der Pfarrer seine Predigt eh schon auf dem Tablet hat, diese vielleicht im Nachhinein noch mal lesen zu können. Häufig kommen einem ja erst später Gedanken zur Predigt.
– Bilder, Videos etc zum Gottesdienst könnten den Gottesdienst auflockern, aber dazu muss die Technik funktionieren

Claudia · 9. April 2019 um 16:10

Ich wünsche mir mehr Verbreitung der digitalen kirchlichen und spirituellen Angebote, die es bereits gibt (App Kirchenjahr evangelisch, App XRCS, #twomplet, #digitalekirche usw.). Wie viele Rentner*innen haben ein Smartphone, nutzen das selbstverständlich zum Austausch von Kinder- und Urlaubsfotos auf Whatsapp, aber kämen nie auf die Idee, christliche Inhalte zu suchen und für sich zu entdecken. Konkreter Vorschlag: regelmäßige Berichterstattung über die neue Entwicklungen auf der EVLKS-Seite (oder ekd.de oder evangelisch.de oder im EVLKS-Newsletter, jedenfalls auch gesammelt an zentraler Stelle und gerne auch Textvorlagen für die Webseiten der Gemeinden und gedruckten Gemeindebriefe, die über die Kirchenbezirke verteilt werden können.

Claudia · 9. April 2019 um 15:59

Zu Kapitel 2.1 Geistliche Inhalte
Ich stimme zu, dass christliche Inhalte und Orte im Netz auffindbar sein müssen. Hier könnten beispielsweise die Öffentlichkeitsarbeiter*innen der Kirchenbezirke sinnvolle Tipps an die Gemeinden geben und ggf. auch für eine Mindestqualität sorgen. Kirchen sollten im Netz auffindbar sein, idealerweise mit Öffnungszeiten des Pfarramts und der Kirche, den nächsten Gottesdiensten und Terminen. Man muss kein Freund von Alexa sein, aber eine einfache Suchanfragen in einer Suchmaschine z.B. „Gottesdienst Ortsname“ muss rasch zu den aktuellen Gottesdiensten führen (und nicht zur Startseite der Kirchgemeinden) und auch sprachgesteuerte Suchanfragen im Sinne von „Welche Gottesdienste finden in [Ortsname] an diesem Wochenende statt?“ sollten zu einer befriedigenden Antwort führen.

Claudia · 9. April 2019 um 15:58

Zu Kapitel 2.1 Neue Gemeinschaftsformen
Wichtig finde ich in diesem Kapitel, dass es nicht Einbahnstraßenkommunikation gedacht wird, sondern dass Gemeinschaft von Beginn an auf Kommunikation ausgelegt ist. Nutzen würde ich persönlich zum Beispiel einen lokalen Chat zur Tageslosung oder zu einer Mikroandacht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mein Leben reicher macht, wenn ich digital mit Menschen kommuniziere, die ich auch aus dem analogen Alltag kenne. Hier eröffnen sich meines Erachtens neue Wege für „Spiritualität im Alltag“.
Meine Vision ist, dass künftig der Austausch über unseren Glauben, unser Leben und unsere Erfahrungen mit Gott (auch innerhalb von Gemeinden!) mehr in sozialen Medien erfolgt und durch den Ortsbezug öffentlicher wird. Quasi so, als würden wir eine Andacht auf einer großen Kreuzung, einem Kinderspielplatz oder im örtlichen Park abhalten. Ich wünsche mir, dass dadurch mehr Kommunikation innerhalb der Kommunen entsteht – auch mit Menschen, die nicht Kirchenmitglied sind oder nicht zur Kerngemeinde gehören. Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob das Ziel digitaler Glaubensaktivitäten zwingend sein muss, Neugier auf das analoge kirchliche Leben zu wecken (auch wenn ich selbst gern an analogen Treffen und Gottesdiensten teilnehme). Kirche findet auch digital statt, davon bin ich überzeugt.

Claudia · 9. April 2019 um 15:56

zu Kapitel 2.1 Gottesdienstunterstützung
Gute, konkrete Vorschläge in diesem Abschnitt!
– Gesangbuch-App ist überfällig.
– Predigtexte und Lesungen lese ich schon jetzt gerne parallel mit über die App „Kirchenjahr evangelisch“ geht das ganz einfach.
– Parallelchat zur Predigt würde ich gerne mal ausprobieren. Digitales Predigtvorgespräch ist sicherlich auch eine Option.
– Gut einbringen könnte sich die Gemeinde digital bei den Fürbitten.
– Kollekte einsammeln geht grundsätzlich schon jetzt auch übers Smartphone.

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